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Linke Gewalt
Der kurze Weg der RAF
Der Titel des neuen Essays von Bernd Rabehl täuscht. Der emeritierte Soziologe, der seine Publikationen seit 1998 überwiegend in rechtslastigen Verlagen und Zeitschriften vorlegt[1], analysiert im Kern nicht die verschiedenen Wurzeln linker Gewalt nach dem Nationalsozialismus. Er malt hauptsächlich weiter an seinem Bild von Rudi Dutschke, wie er das bereits in zwei früheren Publikationen getan hat.[2] Das neue Bändchen hat sechs Unterkapitel, von denen das Kapitel über Dutschke und den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) am längsten geraten ist. Rabehl unternimmt in dem Essay einen schnellen Ritt durch die Geschichte der Linken in der Bundesrepublik; er sucht die Quellen und Gründe ihres Verhältnisses zur Gewalt zu bestimmen.
Woher kamen also die Rote Armee Fraktion (RAF), die Bewegung 2. Juni und die Revolutionären Zellen (RZ)? Darauf gibt Rabehl, der mehrere Gründer terroristischer Gruppen gut kannte, eine falsche Antwort. Er schreibt dazu: „Die RAF kam zwar aus der Radikalität der APO, sie war jedoch deutlich getrennt von der Organisationsfrage, wie sie in der antiautoritären Linken diskutiert worden war. Sie folgte auf keinen Fall den Überlegungen von Dutschke, in denen die illegale Gewalt nur eine beschränkte Bedeutung besaß und Bestandteil einer Massenbewegung und alternativen ‚Szene’ sein musste.“ (S. 66f.) Falsch ist diese Formulierung insofern, als Dutschke der erste war, der die Theorien der Guerilla in die Organisationsdebatte des SDS einbrachte – Theorien, die später von den Gründern der linksterroristischen Gruppen rezipiert und in veränderter Form angewandt wurden. Dutschke hat für das Nachdenken über eine Guerilla-Bewegung in der Bundesrepublik bereits im September 1967 in dem „Organisationsreferat“ plädiert, das er zusammen mit Hans-Jürgen Krahl auf der 22. Delegiertenkonferenz des SDS in Frankfurt hielt.[3] Dutschke und Krahl formulierten: „Die ‚Propaganda der Schüsse’ (Che) in der ‚Dritten Welt’ muß durch die ‚Propaganda der Tat’ in den Metropolen vervollständigt werden, welche eine Urbanisierung ruraler Guerilla-Tätigkeit geschichtlich möglich macht. Der städtische Guerillero ist der Organisator schlechthinniger Irregularität als Destruktion des Systems der repressiven Institutionen.“
Autor: Bernd Rabehl 79 Seiten gebunden
Edition Antaios Verlag
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9.00 CHF
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